Abschlussbericht zu Airbus A340-Unfall in Teststand
TOULOUSE - Die französische Agentur für die Untersuchung von Flugunfällen BEA hat ihren Abschlussbericht zu dem Unfall eines zur Auslieferung an die Fluggesellschaft Etihad bestimmten Airbus A340-600 im Teststand des Flughafens Toulouse Blagnac vorgelegt. Bei dem Vorfall am 15. November 2007 erlitten vier der insgesamt neun Menschen an Bord schwere Verletzungen, die Maschine wurde zerstört.
Nach dem Bericht des BEA ist der Zwischenfall auf menschliches Versagen zurückzuführen. Die Testcrew habe sich bei einem abschließenden "Fuel and Oil Leak Test" nicht an die vorgeschriebene Verfahrensweise gehalten. Alle vier Rolls-Royce Trent 500 Triebwerke seien bei dem Test unter hoher Last zwischen Maximum Continuous Thrust (MCT) und Maximum Takeoff Thrust (MTO) bei einer Engine Pressure Ratio (EPR) von 1,25 gefahren worden. Die EPR beschreibt das Verhältnis von Turbinenaustrittsdruck und Außendruck.
Die Testcrews sind dem Handbuch des A340-600 nach jedoch angehalten, bei Triebwerkstests die Maschinen einzeln hochzufahren und das Flugzeug durch leichten Gegenschub auf dem im Spiegel liegenden Triebwerk zu stabilisieren. Auch die vorgeschriebene, zusätzliche Sicherung des Flugzeugs durch Unterlegblöcke sei ausgeblieben.
Der Test wurde im Cockpit von einem Airbustechniker und einem Ingenieur des von Etihad beauftragten Dienstleisters ADAT/GAMCO durchgeführt und von einem weiteren Airbusmitarbeiter beaufsichtigt.
Nach rund drei Minuten unter hoher Last hielt der Bremsdruck die Maschine nicht mehr im Teststand, das Flugzeug begann sich langsam zu lösen. Das Anrollen des Flugzeugs wurde von der Testcrew wahrgenommen. "euh... Cabin is moving forward", stellte der Ingenieur gegen 16.02:08 Uhr fest.
In Folge wird die Parkbremse zweimal kurz gelöst. Der Flugschreiber weist für den Zeitpunkt 16.02:13 Uhr eine Geschwindigkeit zwischen drei und vier Knoten aus. Die Crew fuhr die Triebwerke dennoch nicht herunter, sondern konzentrierte sich auf die Bremsen. Fünf Sekunden später schlägt das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von 31 Knoten leicht nach rechts versetzt in die Abschirmmauer ein.
Bei dem Einschlag fallen die Triebwerke 1 und 2 aus. Um 16.02:20 Uhr, zwei Sekunden nach dem Einschlag, fährt der beaufsichtigende Airbusmitarbeiter die Triebwerke herunter. Triebwerk 3 läuft mit verbliebenem Treibstoff noch bis 1.25 Uhr in der Nacht. Die Ermittler haben an der Maschine keine technischen Defekte festgestellt.
Airbus zieht Konsequenzen aus Toulouse
Der Vorfall wird Auswirkungen auf künftige Abnahmetests haben. "Wir werden den BEA-Report sehr genau studieren und daraus unsere Schlüsse ziehen mit dem Ziel zu verhindern, dass sich so ein Ereignis noch einmal wiederholen kann", sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath gegenüber aero.de. Der Flugzeugbauer habe bereits unmittelbar nach dem Zwischenfall erste Maßnahmen ergriffen.
Das Customer Acceptance Manual wurde überarbeitet, die Kommunikation zwischen Testingenieuren im Flugzeug, am Boden und in der Kontrolle soll verbessert werden. "Wir arbeiten darüber hinaus an einem Ground Operations Manual", sagte Schaffrath. Die regelmäßigen Kurse für Testingenieure werden intensiviert.